Genetik ist ein faszinierendes Thema, das mich beschäftigt, seit Fanta's Züchterin (Von Zunderborn) mir von der Farbgenetik des Pudels vorschwärmte und ich zugegebenermassen nur Bahnhof verstand. Hier fasse ich nun meine inzwischen erworbenen Kenntnisse für Interessierte zusammen.
1) Genetischen Erkrankungen des Pudels
Genetische Erkrankungen haben unterschiedliche Erbgänge. Bei den Erkrankungen, die autosomal rezessiv vererbt werden, kann man und muss ein verantwortungsvoller Züchter mittels spezifischer Gentests festellen, ob ein Hund frei von der Mutation ist, ob er Träger ist oder ob er betroffen ist. Rezessiv bedeutet, dass die Krankheit nur dann ausbricht, wenn der Welpe das defekte Gen von beiden Elterntieren erbt. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Hund, der Träger einer genetischen Mutation ist, nicht zwangsläufig an der betreffenden Krankheit erkrankt.
Durch diese Gentests lässt sich durch
sorgfältige Zuchtplanung das Auftreten der Krankheit vermeiden. Zu den autosomal rezessiven erblichen Erkrankungen beim Kleinpudel gehören unter anderem folgende:
PRA-rcd
Die progressive Retinaatrophie vom Typ rcd (PRA-rcd) ist eine erbliche Erkrankung, die zu einer fortschreitenden Degeneration der Netzhaut führt. Betroffene Hunde können einen zunehmenden
Sehverlust entwickeln, der im Laufe der Zeit bis zur vollständigen Erblindung fortschreiten kann.
rcd4-PRA
Die rcd4-PRA ist eine genetische Variante der progressiven Retinaatrophie. Wie andere Formen der PRA verursacht sie eine allmähliche Degeneration der Netzhaut, die letztlich das Sehvermögen des
Hundes beeinträchtigen kann.
Degenerative Myelopathie (DM)
Die degenerative Myelopathie ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Rückenmark betrifft. Betroffene Hunde können eine zunehmende Schwäche der Hintergliedmaßen sowie
Mobilitätsprobleme entwickeln.
Neonatale Enzephalopathie (NE)
Die neonatale Enzephalopathie ist eine genetische Erkrankung, die das Nervensystem von Welpen in den ersten Lebenswochen betrifft. Betroffene Welpen können bereits in sehr jungem Alter schwere
neurologische Störungen zeigen.
Von-Willebrand-Krankheit (vWD) (Typ I autosomal, Typ II und III autosomal rezessiv)
Die Von-Willebrand-Krankheit ist eine erbliche Blutgerinnungsstörung, die bei betroffenen Hunden zu Blutungsproblemen führen kann.
Nicht autosomal rezessiv sondern vermutlich polygenetisch vererbt wird:
Patella Luxation
Die Patellaluxation ist eine
orthopädische Erkrankung, die die Stabilität des Kniegelenks beeinträchtigt. Es wird bei Pudeln, die zur Zucht eingesetzt werden sollen, empfohlen, tierärztliche Untersuchungen auf
Patellaluxation durchführen zu lassen.
Die Auswahl von Zuchttieren mit gesunden Knien trägt dazu bei, das Auftreten dieser Erkrankung innerhalb der Rasse zu verringern.
2) Farbgenetik des Pudels
Für die Farbgenetik bei Pudeln sind verschiedene Gene bekannt.
Die Grundfarbe entsteht durch das Zusammenspiel von A-Lokus, K-Lokus und E-Lokus. Hier wird festgelegt, wo und in welcher Ausdehnung Eumelanin und Phäomelanin gebildet wird.
Das Eumelanin ist ein Pigment, das zusammen mit einer zweiten Pigmentart, dem Phäomelanin, die Haar- und Hautfarbe bestimmt.
Eumelanin dominiert in braunem und schwarzem Haar, während das Phäomelanin, als Rot-Pigment für hellblonde, blonde und rote Haare verantwortlich ist. Die einzelnen Genorte wirken zusammen wie Farbaufträge auf eine Leinwand.
Unterster Farbauftrag: A-Lokus
Mittlerer Farbauftrag: K-Lokus
Letzter Farbauftrag: E-Lokus
Laboklin Web-Seminar: Die «neuen»Pudelfarben unter der farbgenetischen Lupe
A-Lokus ASIP-Gen (ASIP steht für Agouti Signaling Protein)
Bisher wurden am A-Lokus folgende Allele befundet: Ay, Aw, at und a. Hierbei stand das Allel Ay für dominantes Gelb, das Allel Aw für Wildfarben (Agouti), das Allel at für black and tan und das Allel a für rezessives Schwarz.
Eine neuere Analyse erlaubt nun eine genauere Befundung, die die Zuordnung eines Genotyps zu diversen Zeichnungsmustern erlaubt.
(DY, SY, AG, BS, BB, rezessives Schwarz)
K-Lokus (Dominantes Schwarz)
Weiter geht es zum 2. Merkmal, welches darüber bestimmt ob wir eine oder mehrere Farben haben werden. Trägt eines der Elterntiere Kb/Kb, kann es auch in der nächsten Generation nur einfarbige Hunde geben, da Kb dominant ist, sich also immer durchsetzt.
E-Lokus (Rot)
Dieser ist der Ranghöchste Genort bei der Farbbestimmung. Haben wir ein e/e wird es immer ein roter Pudel. Das Rot kann ein Aprikot oder ein dunkles Rot sein. Hier treffen zwei rezessive Merkmale aufeinander, daher sind sie sichtbar.
Haben wir ein großes E mit dabei, spielt das zweite E/e nur für die Vererbung an die Nachkommen eine Rolle.
B-Lokus (Braun)
Bei einem Hund der Kb trägt ist der B-Lokus zusätzlich für das Nasen-Pigment verantwortlich. Auch hier ist B (schwarz) dominant über b (braun). Möchten wir also einen braunen Hund, müssen beide Elterntiere mindestes ein kleines b tragen, ansonsten ist der Hund schwarz.
Fellfarben Easy
| Merkmal | Beschreibung | Genotyp | Ergebnis |
| K-Lokus | Dominantes Schwarz | KB/KB | Kein Agouti |
| E-Lokus | Rot | e/e | Rot |
| B-Lokus | Braun | B/B | Schwarz |
| D-Lokus | Farbverdünnung | D/D | Keine Farbverdünnung |
Fellfarben Fanta
| Merkmal | Beschreibung | Genotyp | Ergebnis |
| A-Lokus | Agouti | at/at | Genetisch Black & Tan |
| K-Lokus | Dominantes Schwarz | KB/KB | Genetisch dominant schwarz |
| E-Lokus | Gelb/Rot | E/e |
Trägt rezessiv rot Fellfarbe vom A-Lokus ausgeprägt |
| B-Lokus | Braun | Trägt keine derzeit (2016) getestete B-Allele |
Fellfarben Borussia - Schanie; Easy x Fanta
| Merkmal | Beschreibung | Genotyp | Ergebnis |
| A-Lokus | Agouti | at/at | Genetisch Black & Tan |
| K-Lokus | Dominantes Schwarz | KB/KB | Genetisch dominant schwarz |
| E-Lokus | Rot | e/ |
Trägt rezessiv rot Fellfarbe vom K-Lokus ausgeprägt |
Fellfarben Zuri
| Merkmal | Beschreibung | Genotyp | Ergebnis |
| A-Lokus | Agouti | ||
| K-Lokus | Dominantes Schwarz | ||
| E-Lokus | Rot |
